Holunder

Der Holunder: Sambucus nigra

Geschichte seiner Kultivierung

Die Historie des Holunders ist weitaus weniger spektakulär, als es bei den meisten anderen Beerenobstsorten der Fall ist. Wildobst, Heilpflanze oder völlig zu Unrecht als „Unkraut“ tituliert, kommt der Holunder zwar von Schottland bis Sizilien in seiner Wildform vor, findet deshalb aber dennoch vielfache Verwendungsmöglichkeiten, zumindest unter den Kennern. Neben seiner wichtigen Bedeutung als Lebensmittel und der Rolle in der Volksmedizin ist Holunder schon seit vielen Jahrhunderten ein unentbehrlicher Ausgangsstoff bei der Herstellung von Farbstoffen. Vorrangig in den vergangenen 50 Jahren wurde durch farbstoffreiche und fruchtige Selektionen und Klone der einstigen Wildpflanzen erreicht, dass der Holunder wieder auf größeren Flächen aber auch als Gartenkultur eine Renaissance erlebt. Sein wichtigstes Anbaugebiet in Europa ist die Steiermark, womit der Holunder in Österreich nach dem Apfel zur zweitstärksten Importfrucht aufgestiegen ist. Bis vor wenigen Jahren wurde Holunder kaum gezielt im Garten angebaut.

Steckbrief des Holunders

Volksnamen:Hollerbusch, Holderbusch, Altholder, Flieder, Holderstock
Drogenname:Sambuci flos, folium, cortex, fructus
Pflanzenart und Höhe:Moschuskrautgewächs (Adoxaceae), mehrjährig, bis 5 Meter
Boden und Standort:jeder Boden, Sonne bis Halbschatten
Aussaat:Früchte im Herbst
Vermehrung:Hartholzstecklinge, von Oktober bis Februar
Blütezeit:Juni bis Juli
Sammelzeit:Blätter vor und nach der Blüte, Beeren wenn sie schwarz sind, Rinde im Frühjahr, Wurzel im Frühjahr oder Herbst
verwendete Teile:Blüten, Blätter, Früchte, Rinde, Wurzel
Inhaltsstoffe:Rutin, ätherische Öle, Gerbstoff, Schleim, Cholin, Saponin, Säuren, Harz, Zucker, Glykoside, Flavonoide, Vitamine, Mineralien
Eigenschaften:nieren- und blasenwirksam, schweißtreibend, blutreinigend, hustenlindernd, stuhlfördernd
Bezugsquelle:Goldholunder aus der Baumschule Eggert

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Er hatte ein Schattendasein in Wildwuchskultur und man verwendete die überaus inhaltsreichen und gesunden Blüten der Sträucher mehr oder weniger zufällig für Tees und Säfte bzw. die Holunderbeeren für Marmelade oder Säfte. Mit den neuen Selektionen der Holundersträucher stehen nun aber mittlerweile auch den ambitionierten Freizeitgärtnern neue Selektionen zur Verfügung. Viele dieser Sorten sind reich tragend, liefern gleichmäßig ausgereifte Beeren und sind natürlich sehr dekorative Gewächse. Der Rote Holunder (Sambucus recemosa) wie auch der Schwarze Holunder ( S. nigra) und der Kanadische Holunder (S. canadensis) gehören, botanisch betrachtet, zur Gruppe der Geißblattgewächse.

Schwarzer Holunder
Der Schwarze Holunder „Black Lace“ (Sambucus nigra) blüht von Mai bis Juni mit weißen Blüten, die einen schönen Kontrast zu der auffallenden dunkelroten Blattfarbe bilden.

Bedeutung und Gesundheitswert von Holunder

Der Holunder und seine urgesunden Beeren stehen seit Jahrhunderten in dem Ruf einer „lebenden Apotheke“ und die riesige Menge an gesunden Inhaltsstoffen kann sich wirklich sehen lassen. Mineralstoffe und Vitamine in eine ausgewogenen Mischung lassen sich im Labor ebenso nachweisen wie die wertvollen Anthocyane und Flavonoide, die wir auch in den Heidelbeeren kennen. Anders als bei den leckeren „Blauen“ sollten die Holunderbeeren jedoch ausschließlich in verarbeiteter Form für den menschlichen Verzehr verwendet werden. Die rohen Beeren enthalten das Blausäure abspaltende Glykosid Sambunigrin, das zu Erbrechen und Übelkeit führt, aber durch Abkochen der Früchte zerfällt.

Energie229 kJ / 55 kcalBallaststoffe4,0 Gramm
Wasser83,6 GrammEiweiß2,5 Gramm
Fett1,7 GrammKohlehydrate6,5 Gramm
Organische Säuren0,9 GrammUngesättigte Fettsäuren2,1 Gramm
Vitamine B1, B2 und B60,3 mgVitamin C18 mg
Vitamin E1,0 mgKalium305 mg
Kalzium35 mgMagnesium30 mg
Phosphor57 mgEisen1,6 mg
Mineralstoffe insgesamt690 mg

Quelle: ÖNWT; BLS3.01

Holundersaft zeichnet sich durch seine reinigende und belebende Wirkung besonders aus. Er wird seit vielen Generationen gegen kleine und etwas größere Magen- und Darmbeschwerden sowie als sehr wirksames Hausmittel zur Verdauungsanregung und Entwässerung eingesetzt. Die Extrakte aus den Blättern und Früchten des Holunders eignen sich nachweislich gegen Entzündungen und Grippe. Seine jungen Triebe sowie die getrockneten Blätter werden als Tee zur Entwässerung, die gerockneten Holunderblüten zur Behandlung von Erkältungskrankheiten und rheumatischen Beschwerden verwendet.

Standort und Bodenvorbereitung für Holunder

Als stickstoffliebende Pflanze wächst der Holunder an nährstoffreichen Standorten wild als Strauch. Die Sträucher mögen staunässefreie, tiefgründige gut versorgte Böden, die einen pH-Wert um 6 haben. Ihr solltet insbesondere solche Lagen wählen, die sich auch für den Apfelanbau eignen würden. Spätfrostgefährdete Tallagen und Senken , die verstärkt zur Nebel- und Taubildung neigen, sollten beim Pflanzen von Holunderbeeren generell gemieden werden. Für den normalen Anbau im Hausgarten genügt den Sträuchern bereits ein schattiges Plätzen, das jedoch vor dem pflanzen sorgfältig aufgelockert sein muss. Es empfiehlt sich, die Erde mit ein wenig Gründüngung oder organischer Masse vom eigenen Komposthaufen anzureichern. anzureichern.

Roter Holunder
Roter Holunder (Sambucus) Schwarze Beeren, rote Blätter. Blüht nicht nur dekorativ, sondern ist auch bei den Vögeln sehr beliebt. Wuchshöhe ca. 3 m Liefergröße: ca. 40 – 60 cm

Welches Pflanzgut für Holunder ist das Beste?

Aufgrund der Erleichterung bei den anfallenden Schnittarbeiten wie auch der Ernte der Holunderbeeren, hat sich die Kultivierung als Stämmchen durchgesetzt. Beim Reihenabstand solltet Ihr fünf bis sechs Meter einhalten, innerhalb der Reihen reichen 3,5 Meter aus. Jede Holunderpflanze braucht für ein stabiles Wachstum während der ersten fünf Jahre einen Pfahl. Das Stecken von einjährigen Trieben hergestellte Pflanzmaterial soll beim Einsetzen in die Erde wenigstens eine Stammhöhe von 120 Zentimeter haben. Da der Holunder vergleichsweise zeitig austreibt, wäre eine Herbstpflanzung vorzuziehen. Haltet den gesamten Pflanzstreifen übers gesamte Jahr möglichst unkrautfrei. Zwischen den Reihen kann aber Gras eingesät und gemulcht werden.

Erziehung und Schnitt von Holunder

Der Holunder trägt gewöhnlich am einjährigen Holz, also an den Stellen, an denen sich zum Frühjahr hin die neuen Seitentriebe und Blüten entwickeln. Endzie wäre ein Holunderbaum mit drei bis fünf flach angesetzten aber kurzen Leitästen (als Stumpfen), an dem in jedem Jahr ungefähr 15 gut verholzte und nicht zu starke, einjährige Tragruten herangezogen werden. Der Schnittvorgang eines „erwachsenen“ Baumes ähnelt dann dem, wie wir ihn an den Weinreben durchführen. Weitere Verzweigungen und zu weit außen wachsende Tragruten solltet ihr vermeiden und darüber hinaus auch die Schnittflächen möglichst klein halten.

Pflanzschnitt

Nach erfolgter Pflanzung des Holunders schneidet Ihr das Bäumchen in ca. 120 cm Höhe an. Wenn genügend starke und genügend hoch ansetzende Verzweigungen vorhanden sind, werden drei bis höchstens fünf gleichmäßig angesetzte Kronentriebe auf Zapfen zu jeweils zwei Augen zurückgeschnitten. Im Jahr der Pflanzung können sich dadurch bereits drei bis vier stabile Tragruten entwickeln. Besonders wichtig nach dem Pflanzen von Holunder: Die sich laufend neu bildenden Bodentriebe unbedingt rechtzeitig und konsequent entfernen.

Winterschnitt

Beim ersten Winterschnitt des Holunders ist es extrem wichtig, jetzt bereits den Kronenaufbau im Auge zu behalten. Daher sollten sich vier bis sechs Tragruten an drei bis fünf basisnahen Stümpfen entwickeln. Sofern ein ausreichender Zuwachs zustade kommt, werden dann ab dem dritten Jahr sechs bis acht und ab dem vierten Jahr acht bis zwölf Tragruten am Baum belassen, der zu dieser Zeit bereits Vollertrag liefern sollte,Für einen besseren Überblick werden beim Winterschnitt des Holunders immer zunächst die abgetragenen Triebe entfernt und anschließend die neuen Fruchttriebe ausgedünnt.

Sommerschnitt

In der Regel bildet der Holunder wesentlich mehr Jungtriebe als für das Folgejahr gebraucht werden. Ungefähr acht bis zehn Tage nach Beginn der Blütezeit wäre der ideale Zeitpunkt für einen beherzten Sommerschnitt gekommen. Ziel dabei ist hauptsächlich die bessere Belüftung der Dolden und Knospen des Holunders sowie das Entfernen von unerwünschten Konkurrenztrieben bei gleichzeitiger Erleichterung der Erntearbeit. Das heißt für Euch, sämtliche zu starken, überzähligen, zu schwachen sowie die zu steil und zu weit nach außen gewachsenen neuen Triebe des Holunders rigoros herauszuschneiden. Dabei muss jedoch darauf geachtet werden, für den Ernstfall auch drei bis vier Reservetriebe zu belassen, da Ihr auch mit Ausfällen aufgrund von Frost- und Ernteschäden zu rechnen habt. Beachtet darüber hinaus, dass die nicht oder zu spät blühenden Seitentriebe an den Tragruten ebenfalls entfernt und die Spitzen entsprechend eingekürzt werden.

Holunder düngen nicht vergessen

Bereits vor der Pflanzung Eures Holunders kann der Boden dieses Stickstoffzehrers im Rahmen einer Grunddüngung mit Kali, Phosphor und Kalk ein wenig angereichert werden. Darüber hinaus erfordert die alljährliche Fruchtholzerneuerung ein intensives Triebwachstum, was erst durch eine angemessene Stickstoffversorgung möglich wird. Dennoch muss eine Überversorgung mit Dünger unbedingt vermieden werden, da ansonsten ein verstärktes Auftreten von Blattläusen und der sogenannten Stiellähme erfolgen kann, was wiederum zu enormen Ertragsminderungen beim Holunder führt. Verwendet am besten organische Dünger mit einem niedrigen Chloridgehalt. Ist der Einsatz von Mineraldünger unvermeidbar, muss die Menge in mehreren Teilgaben erfolgen, die zwischen dem Austrieb und der Blüte liegen.

Ernte und Verwendung der Holunderbeeren

Bereits ab dem vierten Standjahr könnt Ihr bei Eurem Holunder mit der ersten richtig guten Ernte rechnen. Bei optimalem Standort und idealen klimatischen Verhältnissen ist eine Ernte von 20 bis 25 kg je Baum durchaus realistisch. Der Erntezeitpunkt hängt stark von der weiteren Verwendung der Beeren ab. Im Hausgarten dürft Ihr für die Herstellung leckerer Marmeladen und Säfte etwas früher mit der Ernte beginnen da die Früchte dann einen höheren Gehalt an Fruchtsäure haben. Für den Frischeverzehr verwendet aber besser nur vollreife Beeren, denn gerade während der letzten Reifetage gewinnen die Beeren noch wesentlich an wertbestimmenden Inhaltsstoffen und natürlich an aromatischen Geschmack. Die unreifen roten Beere beinhalten darüber hinaus das als giftig bekannte Glykosid Sambunigrin, das neben dem unangenehmen Geschmack schnell zu Magenproblemen und Erbrechen führen kann. Auf Wochenmärkten lässt sich Holunder in der Regel nur in Kleinstmengen an den Mann bringen. Der Anbau mehrerer Bäume ist somit lediglich auf der Basis einer eigenen Weiterverarbeitung oder bei langfristigen Abgabeverträgen mit der Fruchtsaft- oder Farbstoffindustrie sinnvoll.

Alles Weitere, was für den erfolgreichen Anbau von Holunder nützlich und wichtig ist, informative Pflege- und Erntehinweise aus der Praxis, Tipps zur Verwertung Eurer Holunderernte sowie Porträts der besten und resistentesten Holundersorten könnt Ihr bei uns im Blog in der Kategorie „Holunder“ regelmäßig nachlesen.

In 100 Gramm frischen Holunderbeeren sind folgende Bestandteile enthalten: