Erdbeeren

Die Erdbeere (Fragaria)

Geschichte ihrer Kultivierung

Es gibt wohl kaum eine Beerenobstsorte, die solch eine weltumspannende Popularität genießt, wie die Erdbeeren oder Fragaria, wie sie botanisch korrekt genannt wird. Ein wesentlicher Grund: Erdbeeren sind das erste heimische Obst im Frühjahr und die ein- oder mehrjährigen Pflanzen gedeihen im Hausgarten beinahe ohne unser Dazutun. Ja gut – ganz von selbst natürlich auch nicht, aber der Arbeitsaufwand für die roten Superfoods von hier hält sich im Beerenobstgarten nun wirklich in Grenzen. Erdbeeren gehören zur Pflanzengattung der Rosengewächse und kommen in der Wildform als Walderdbeere oder ‚Fragaria vesca‘ in allen gemäßigten und subtropischen Regionen unserer nördlichen Halbkugel vor. Ursprungsland für die erste europäische Erdbeere war vermutlich das Frankreich des beginnenden 18. Jahrhunderts, später eroberten verschiedene amerikanische Wildsorten die Neue Welt – allerdings zunächst als Heil- und Zierpflanzen oder auf den Festtafeln des europäischen Hochadels.

Sämling mit Wurzeln von Mark Hofstetter – Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=980816

Die mehr als tausend derzeitig auf der Welt bekannten Kultursorten – so sagen es alte botanische Schriften – resultieren vermutlich aus einer zufälligen Kreuzung der großfruchtigen Chileerdbeeren zusammen mit den amerikanischen Scharlacherdbeeren. Die ein- oder mehrmalstragenden großfruchtigen Kultursorten unter den Gartenerdbeeren laufen unter der Bezeichnung Ananaserdbeere bzw. botanisch korrekt Fragaria ananassa. Die hohe Anpassungsfähigkeit der einzelnen Sorte ermöglicht eine erfolgreiche Kultivierung auf allen Kontinenten, weitestgehend unabhängig von den dort herrschenden Klimaverhältnissen. Wichtig zu wissen: Eigentlich ist die Erdbeere gar keine richtige Beere, sondern zählt zur Gattung der Sammelnussfrüchte. Die winzigen Kernchen, die auf dem fleischigen Fruchtboden aufliegen, sind nämlich die eigentlichen Früchtchen, auch Nüsschen genannt.

Werbung

Wirtschaftliche Bedeutung und Gesundheitswert der Erdbeeren

Wirtschaftlich betrachtet wächst die Bedeutung der Erdbeeren bei der menschlichen Ernährung stetig. Sie werden weltweit auf mehr als 350.000 ha angebaut, was einer geernteten Menge von 5,5 Millionen Tonnen entspricht. Nach dem Apfel sind Erdbeeren in Deutschland und Österreich die beliebtesten Obstsorten. Zu den wichtigsten Exporteuren und Erzeugerländern gehören aktuell China, die Türkei, Spanien und die USA. Wir als Gartenbesitzer bauen sie natürlich lieber auf dem eigenen Acker an, was die Erdbeeren mit hoher Wahrscheinlichkeit auch wesentlich schmackhafter und von den Inhaltsstoffen her, auch gesünder macht. Aber was steckt da eigentlich genau in den einheimischen, roten Früchtchen drin?

Der hohe Gesundheitswert der Erdbeeren resultiert hauptsächlich aus ihrem überdurchschnittlichen Gehalt an Vitamin C, den vielen B-Vitaminen (Folsäure), fast allen wichtigen Mineralstoffen und den wertvollen Fruchtsäuren. Dabei decken fünf große, ausgereifte Früchte bereits den gesamten Tagesbedarf eines Erwachsenen an Vitamin C.

Durchschnittlich enthalten 100 Gramm frische Erdbeeren folgende Inhaltsstoffe:

Energie135 kJ / 32 kcalBallaststoffe2 Gramm
Wasser89,8 GrammEiweiß0,8 Gramm
Fett0,4 GrammKohlenhydrate5,5 Gramm
organische Säuren1 Grammungesättigte Fettsäuren0,3 Gramm
Vitamin B60,1 mgVitamin C57 mg
Vitamin E0,2 mgKalium164 mg
Kalzium19 mgMagnesium13 mg
Phosphor25 mgEisen0,6 mg
Mineralstoffe gesamt:500 mg

Quelle: ÖNWT (Die Österreichische Nährwerttabelle), BLS3.01

Standortbedingungen und Bodenvorbereitung für Erdbeeren

Unsere hierzulande bekannten Erdbeersorten gedeihen bis in Höhenlagen von weit über 1.000 Meter völlig ohne Probleme. Viel entscheidender bei der Kultivierung ist die richtige Standortwahl. Da es sich beim Rhizom der Erdbeeren, das die Wurzeln und Ausläufer zusammenhält, um ein sehr frostempfindliches Pflanzenteil handelt, sollte man windexponierte wie auch Kältestaulagen beim Anbau unbedingt vermeiden.

Die besten Ergebnisse beim Erdbeerenanbau werden auf gut strukturierten, humosen Boden erreicht, der gerne einen leicht sauren pH-Wert haben darf. Vorausgesetzt, dass regelmäßig gut durchlüftet wird, kann aber auch auf lehmhaltigen Böden mit guten Erträgen gerechnet werden. Ein stark verdichteter Boden, wie auch regelmäßige Staunässe verursachen eigentlich die meisten Komplikationen und führen bei den Erdbeeren recht schnell zur Wurzelfäule. Auf Problemböden kann es hilfreich seine, wenn die Erdbeerpflanzen auf Dämmen angebaut werden. Wer zum ersten Mal mit der Erdbeerenaufzucht startet und damit in einem neuen Garten beginnt, muss eine Anbaupause von wenigstens vier Jahren berücksichtigen.

Erdbeeren im Hausgarten gehören an einen sonnigen Standort und der Platz soll auch ein wenig windgeschützt sein. Im Schatten von Obstbäumen oder hohen Hecken haben die Pflanzen jedoch nichts zu suchen, denn hier gedeihen sie höchstens mittelmäßig. Für den Ernteerfolg muss der Boden allerdings ein wenig vorbereitet sein. Auch wenn Garten umgraben zwischenzeitlich aus der Mode gekommen ist, auf Deinem Erdbeerbeet solltest Du 14 Tage vor der Pflanzung gründlich sowie spatentief umgraben und bei dieser Gelegenheit den gesamten Boden mit Stallmist, Kompost oder Torfmull anreichern. Bei erfahrungsgemäß schlechten Böden besteht zusätzlich die Möglichkeit, einen geeigneten Erdbeeren-Volldünger einzubringen, der genau nach Herstellerangaben dosiert wird.

Erdbeeren pflanzen – so ging es früher

Wer es besonders praxisnah wissen will, wie das Erdbeeren pflanzen richtig geht, hier eine kleine historische Anleitung, die „Lamberts Gartenfreund“ anno 1899 für seine Kunden veröffentlicht hat: „Das Pflanzen der Erdbeeren ist einfach, muss aber mit der nötigen Sorgfalt ausgeführt werden. Man bedient sich hierzu einer Pflanzkelle, einem kleinen, spatenartigen Instrument, welches überhaupt jedem Gartenbesitzer unentbehrlich ist. Nachdem die Wurzeln der Erdbeeren mit scharfem Messer etwas eingekürzt, werden die entsprechenden Pflanzlöcher gemacht. Es ist eine Hauptsache, dass die Wurzeln nicht nur gerade in die Erde kommen, sondern auch nach allen Seiten gleichmäßig verteilt werden. Nachdem die Erdbeerpflanze richtig und so tief in das Pflanzloch gehalten, dass sie bis an die jungen Blätter in den Boden kommt, wird die ausgehobene Erde wieder langsam in das Loch eingefüllt und hierauf der Boden um die Pflanze herum mit der Hand etwas nachgedrückt. Es sollen nur junge, pikierte und reich bewurzelte Pflänzlinge verwendet werden. Nach der Pflanzung ist ein ausgiebiges Gießen erforderlich, damit sich die Erde setzt und um die Wurzeln legt. Sollten die Erdbeeren durch die Sonne welk werden, dann sind sie einige Tage durch Bedeckung mit Blättern, belaubten Zweigen oder einem leichten Tuch zu schützen. Während des Sommers ist es erforderlich, dass die Pflanzung frei von Unkraut und der Boden durch wiederholtes Behacken locker gehalten wird.“

Also keine riesengroßen Unterschiede beim Erdbeerenanbau von anno dunnemals zu heute. Nur bei den „Pflänzlingen“ haben wir heutzutage eine wesentlich größere Auswahl.

Welches Pflanzgut für Erdbeeren ist das beste?

Als Hobbygärtner haben wir heute mehrere Möglichkeiten bei der Auswahl des Pflanzgutes, entsprechend unterschiedlich wäre dann jedoch auch, der ideale Pflanztermin. Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen vier verschiedenen Erdbeerpflanzenarten, wobei die beiden letzten hauptsächlich im gewerblichen Erwerbsanbau genutzt werden:

1. Grünpflanzen: Gewonnen werden Sie bei der Rodung von Jungpflanzenbeständen, die sich im Verlauf des Sommers an den Mutterpflanzen angesiedelt haben. Du kannst sie ab Anfang August aus Deinem eigenen Bestand gewinnen oder besorgst sie Dir im Gartenfachhandel. Beachte dabei, dass die Erdbeerpflanzen wenigstens drei gesund entwickelte Blätter besitzen, eine gut sichtbare und intakte Herzknospe haben und ihre Wurzeln mindestens fünf Zentimeter lang sind. Im Handel bekommst Du sie in Beuteln abgepackt zu je 25 Stück. Die jungen Ableger müssen rasch in den Boden, bei zu langer Lagerung verderben sie schnell.

2. Topfpflanzen: Erdbeerpflanzen im Container bietet der Handel (oder die Baumschulen) schon recht zeitig an. Die Ableger werden in Torftöpfchen gesetzt und müssen bei ausreichender Feuchtigkeit noch um die zwei bis drei Wochen wurzeln, ehe sie ab Anfang Juli verkauft werden. Den Pflanztermin kann man ohne Sorge ein paar Wochen nach hinten verschieben, aber im September sollten sie dann spätestens aufs Freiland kommen.

Drei verschiedene Erdbeerensorten im Container aus der Baumschule Horstmann

3. Frigopflanzen: Ihr Name ist recht einfach erklärbar, da es sich hierbei ebenfalls um Grünpflanzen handelt, die lediglich eingefroren sind und somit praktisch immer zur Verfügung stehen. Auch hier werden zunächst Jungpflanzen gerodet, allerdings erst zwischen November und Februar, wenn sie sich bereits in ihrer Winterruhe befinden. Nachdem zuerst das Laub und die Erde entfernt wurden, sortiert man die Pflanzen nur noch nach ihrer Größe und friert sie zum Schluss gebündelt bei – 2°C ein. Zusammen mit den von der Erdbeerpflanze bereits gebildeten Blütenanlagen bleiben sie bis in den Juni im Frost und werden dann als Jungpflanzen für das Folgejahr verkauft. Der große Vorteil der Frigopflanzen liegt in der sehr genau planbaren Erntezeit, denn nachdem sie in den Boden gebracht sind, dauert es etwa neun Wochen, bis die ersten roten Früchte erntereif sind. Gleichzeitig kann die Erdbeersaison durch eine Folgepflanzung zwei oder drei Wochen später auch genauso einfach verlängert werden.

4. Meristem- oder In-Vitro-Pflanzen: Sie bestehen aus Gewebekulturen, die im Labor gezüchtet werden. Das bringt den Vorteil, dass diese Erdbeerpflanzen vollständig resistent gegen Krankheiten sind. Ihr Nachteil: In-Vitro-Erdbeerpflanzen abzuhärten ist äußerst kompliziert, sodass ihr Einsatz im privaten Hobbygarten in der Regel nicht infrage kommt.

Pflanzen der Erdbeeren und Abstände in den Reihen

Falls Du Grünpflanzen benutzt, öffne den Beutel am besten gleich zu Hause und befeuchte die Ableger. Wenn die Zeit fehlt, um sie sofort in die Erde zu bringen, kannst Du sie ohne Bedenken ein bis zwei Tage kühl und feucht lagern. Vor dem Einsetzen ins Beet werden die zarten Pflänzchen noch einmal für ein paar Minuten ins Wasser gestellt.

Auch bei Topfpflanzen darf der Wurzelbereich der Erdbeeren niemals austrocknen, also stellst Du sie vor dem Einpflanzen in einen Wassereimer und wenn sie beginnen zu „gluggern“, nimmst Du sie wieder raus.

Das Pflanzloch für Erdbeeren: Es muss so tief ausgehoben werden, dass die Wurzeln genügend Platz darin finden und nicht gestaucht oder geknickt werden. Das Herz der Erdbeerpflanze muss beim Einsetzen auf gleicher Höhe mit der Gartenoberfläche liegen, ehe das Pflanzloch am Ende wieder aufgefüllt und der Boden fest angedrückt wird. Jetzt nur noch kräftig gießen – das wars. Apropos wässern: Bei längerer Trockenheit gießt Du Deine Pflanzen idealerweise morgens und abends, denn der Boden darf in den ersten beiden Wochen nach dem Erdbeeren pflanzen auf gar keinen Fall austrocknen. Ansonsten wären ernste Schäden an der Pflanze die Folge, was dann später natürlich zusätzlich zu erheblichen Ernteverlusten führen wird.

Pflanzabstände zwischen Erdbeerenpflanzen

Die Abstände zwischen den Pflanzen hängen davon ab, ob Deine Erdbeersorten ein- oder mehrjährig auf dem Beet bleiben. Kostengünstiger sind natürlich die mehrjährigen Sorten, bei denen der Reihenabstand ungefähr 60 bis 80 cm (bei einjährigen Erdbeeren reichen ca. 50 cm) groß sein sollte. Von einer zur anderen Pflanzen bleiben 25 bis 30 cm frei auf dem Beet frei.

 

Welche Erdbeerensorte ist ideal für meinen Garten?

Von den gegenwärtig weltweit existierenden weit mehr als tausend Erdbeersorten findet man im einschlägigen Handel gut 100. Unterschieden wird nach einjährigen und remontierenden, also mehrmals tragenden Sorten. Dann wären da noch die immer wieder viel diskutierten „alten“ Sorten, bei denen jedoch berücksichtigt werden muss, dass die meisten davon nicht selbstbefruchtend sind. Das bedeutet praktisch: Du brauchst noch wenigstens eine zweite Erdbeersorte, die als Bestäuberpflanze fungiert. Viele Händler bereiten daher bereits entsprechende Pakete vor, in denen sich 20 Ablegerpflanzen alter Sorten, zum Beispiel „Mieze Schindler“, im Set mit fünf Pflanzen einer anderen Befruchtersorte befinden.

Im Prinzip solltest Du bei der Auswahl Deiner neuen Erdbeerpflanzen folgende Kriterien berücksichtigen:

  • Aroma, Größe und Aussehen der Früchte;
  • Reifezeit;
  • möglicher Ertrag;
  • Eignung entsprechend der Bodenbeschaffenheit und der klimatischen Verhältnisse;
  • Resistenz gegen Erdbeerkrankheiten und Schädlingsbefall;
  • Möglichkeiten zur Weiterverarbeitung bzw. Lagerung Deiner Erdbeerenernte.

Alles Weitere, was für den erfolgreichen Anbau von Erdbeeren nützlich und wichtig ist, informative Pflege- und Erntehinweise aus der Praxis, Tipps zur Verwertung Deiner Erdbeerenernte sowie Porträts der besten und resistentesten Erdbeersorten kannst Du bei uns im Blog in der Kategorie „Erdbeeren“ regelmäßig nachlesen.