Gärtnerische Entgleisungen

Wie peinlich ist das denn…?

Das ist peinlich genug, wenn ich mich hier im Dorf umsehe und die vielen Neubauten am Dorfrand mit Schotter und kurzgeschnittenem Rasen auf ihren Grundstücken ausgestattet sind. Wie peinlich ist das denn, bedenken wir, dass die Umwelt mehr braucht als eine Garten-Museums-Schau ohne bienenumweltfreundliche und krautgeeignete Pflanzen, die auch der Gesundheit und Vermehrung dienen. Das ist nicht erst seit gestern so, das geht bereits seit mehreren Jahrzehnten einher, dass in den Gärten kaum noch etwas gemacht wird. Stöhnen tun sie alle über unsere Umwelt, selbst die Minister, die nichts tun, doch auf ihren Grundstücken sehen wir grünen Rasen wie ein Teppich, auf den man bloß nicht treten sollte. Wie peinlich das ist, braucht eigentlich kaum noch erklärt zu werden.

Das Leben könnte viel schöner sein, wenn…

Das Leben könnte viel schöner sein, wenn der Verstand der Menschen mal wieder in Takt käme. Wie sollen sich die Insekten, Käfer, Bienen und andere zum Leben dazu gehörenden Umweltnachbarn vermehren, wenn sie auf dem Schotter und in den Rasenflächen keine Nahrung finden? Nur durch die Bestäubung der Insekten ist auch unsere Obstnatur zu retten. Es stellt sich die Frage, wo ist unsere Natur geblieben, auf die wir doch recht stolz sein könnten, würde JEDER einen kleinen Anteil dazu beitragen. Der biologische Kreislauf wird hier völlig außer Acht gelassen. Das Leben könnte viel wertvoller sein, wenn wir wieder unsere hübschen Schmetterlinge um uns herum sehen würden, das Summen zufriedener Bienen wahrnehmen, das Gezwitscher der Vögel als ehrenwert empfinden und die Insektenkultur zur Bestäubung unserer Bäume vervielfachen.

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Gemütlichkeit und Naturverbundenheit gehen anders! Die Quellen der Fotos dieser beiden Gärten des Grauens sind selbstverständlich geschützt. Aber keinen Steinwurf entfernt haben wir einen solchen Pseudogarten auch…

Wo sind unsere Umweltpartner geblieben?

Als Kind spielte ich mit den Igeln, ich sang das Lied vom Marienkäfer, erfreute mich an den Bienen und Hummeln, lief freudestrahlen durch die Wälder und pflückte Wildkräuter. Jetzt ist es richtig peinlich mitansehen zu müssen, wie unsere Hummeln, Bienen, Käfer und anderen Insekten langsam absterben. Unsere Umweltpartner wie eben Hummeln, Käfer &Co. leiden an den vergangenen und noch vorhandenen Pestiziden und Herbiziden, an der EGO-Welt der Menschen, an dem verlorenen Existenzrecht der Natur, das sie doch haben müssten. Diese Faulheit vieler Gartenbesitzer setzen statt umweltfreundlicher Pflanzen und Kräuter doch lieber Schotter und kleinstes Gras auf ihr Grundstück und beobachten lieber, ob der Garten von nebenan schöner als ihrer ist, der aber auch kaum aus umweltfreundlichen Materialien und Individuen besteht.

Was ist mein Paradies?

Mein Paradies ist, wenn sich alles in meinem Garten frisch anfühlt, eine bunte Farbenpracht zu sehen ist, es sich summend anhört, wenn im Laub die Igel Schutz suchen können und Nahrung finden, wenn ich den Vögeln Futter und Wasser zur Verfügung stellen kann, wenn ich wie früher aus den Gänseblümchen einen Kranz für die kleinen Kinder in unserer Straße wickele, wenn ich das Löwenzahnblatt mal nebenher esse, um mich gesundheitlich fit zu fühlen, wenn ich an den Kräutern rieche und meine Kopfschmerzen wie vom Winde verweht sind, wenn ich der Natur das zurückgebe, was ich ihr genommen habe und wenn ein friedliches Gartenleben mit meinen stillen Teilhabern wie Insekten, Hummeln, Bienen, Marienkäfer, Vögel und sonstigen Mitbewohnern teilen kann. Es ist peinlich mitansehen zu müssen, wie wenig sich dafür interessieren, wie schön, einfach und liebevoll das Leben sein könnte mit unseren derzeitig viel zu seltenen Umweltpartnern.

Kleiner Kräutergarten
Dann doch lieber so, statt einer Steinwüste mit Schotterbeet. So hat man alles was man in der Küche so an Kräutern braucht schnell und taufrisch zur Hand.

One Comment

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    Florian Genthe

    Ein ökologisch wertvoller Garten bietet zu jeder Jahreszeit Raum für Mensch und Natur. Mit einer intelligenten Gartenplanung lassen sich naturnahe Bereiche für Insekten und Kleintiere optisch ansprechend kombinieren, bspw. mir Staudenarealen, Gemüsebeeten oder Obstgehölzen. Je nach Grundstücksgröße gibt es sogar noch Platz für einen Gartenteich und bei Bedarf für einen Spielrasen mit trittfesten Gräsern oder Bodendeckern. Leider macht sich seit einigen Jahren vor allem in Neubausiedlungen eine Tendenz breit, die den Freunden grüner Oasen Tränen in die Augen treibt: Schottergärten.

    Diese modernen Steinwüsten sind im Gegensatz zu traditionellen Steingärten biologisch tot, da unter die bis zu einem halben Meter dicke Schotterschicht oft noch eine Plane eingebracht wird, die jegliches Tier- und Pflanzenleben erstickt. Hier siegt die Bequemlichkeit über den gesunden Menschenverstand, denn solche toten Flächen sind nicht nur hässlich, sondern auch ökologisch völlig wertlos. Dr. Gerhard Bronner, der Vorsitzende des Landesnaturschutzverbandes Baden-Württemberg bring es auf den Punkt, wenn er sagt: „Für Tiere und Pflanzen ist ein Schottergarten in etwa so attraktiv, wie der asphaltierte Parkplatz vor dem Supermarkt.“ Genau wie solche Parkplätze heizen sich die Schotterflächen zudem im Sommer auf und tragen so zur Überhitzung der Städte und Siedlungen bei, anstatt als grüne Lunge temperaturausgleichend zu wirken.

    Daher fordert der LNV zurecht ein Verbot von Schottergärten, die ganz klar gegen die Landesbauordnung verstoßen. Sie schreibt zum Beispiel bindend vor, dass umbaute Flächen als „Grünflächen“ anzulegen oder anderweitig zu begrünen sind. Ein Fünkchen Hoffnung wenigstens für Mensch und Natur.

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