Beerenobst,  Erdbeeren

Was beim Erdbeeren pflanzen gerne vergessen wird

Jeder Garten wird ja beim Erdbeeren pflanzen zum Frühjahr immer ein wenig zum Experimentierfeld, ich meine, was die Sorten anbelangt, die wir uns in den Garten holen. Wenn ich da mal kurz an früher denke (wobei „früher“ einige Jahrzehnte zurück liegt…): Da hat man sich irgendwann im März beim Gärtner in der Nähe 40 Erdbeerpflanzen zum Stückpreis von 30 Pfennig geholt, wieder zu Hause angekommen, in die Erde verbuddelt und gut. „Senga sengana“ und „Mieze Schindler“ waren bei uns in Brandenburg die gängigsten Sorten, wobei es andere ja praktisch – weil wir hatten ja nüscht im Osten – auch gar nicht gab.

Von der Suche nach der richtigen Erdbeerensorte

Einmal solch ein Sortiment angeschafft, hatte man für mehrere Jahre ausgesorgt, da es im Herbst genügend eigene Ableger gab, die im nächsten Jahr wieder massig getragen haben. In den 80ern des letzten Jahrhunderts durften wir uns allerdings auch darauf verlassen, dass auf den Winter ein Frühjahr folgte, ab ungefähr Juni der Sommer begann und es selbst im goldenen Oktober noch jede Menge schöne Tage gab, an den wir auch noch die allerletzte Tomate erntereif von den Beeten bekommen haben, ohne dass sie auch nur ansatzweise der Braunfäule zum Opfer gefallen sind. Und heute, wo wir doch bei sämtlichen Obst- und Gemüsearten -zig bis Hunderte unterschiedliche Sorten anbauen können, haben wir es fast mit derselben Anzahl von Pflanzenkrankheiten, Schädlingen und anderen kaum in den Griff zu bekommenden „Erscheinungen“ zu tun, die unsere Ernte so richtig vermiesen können. Wobei die Haupt-„Erscheinung“ vermutlich mit dem menschengemachten Klimawandel zu tun hat?! Auch wenn das heute offenbar viele Menschen überhaupt nicht juckt, meinen Erdbeerpflanzen ist es ganz und gar nicht egal.

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Da war nichts mehr zu machen: Die Pflanze unten links ist durch den vielen Regen verloren, bei der darüber beginnt das Elend gerade.

Mehr Erdbeersorten, aber was ist mit Resistenzen?

Große, kleine, hängende, kletternde, frühe, späte, einmal- und immertragende, Bodendecker und Parfüm-Erdbeeren, die Auswahl bei den Pflanzen ist riesig und die bei den Samen noch gewaltiger. Dazu kommen jährlich -zig neue Sorten, die durchaus ihren Reiz haben und zum Probieren annimieren. Nach einer längeren Abstinenz habe ich in diesem Jahr wieder einige Sorten zu Testzwecken angebaut. Bisher war es hier im Norden wettertechnisch gesehen nicht unbedingt ein optimaler Standort und es scheint wegen der tagelangen Regengüsse auch in diesem Jahr wieder ein Flop zu werden. Einige Sorten jedenfalls, die anfänglich sehr gut angewachsen waren, sind bei der ewigen Nässe förmlich versifft und in sich (bei stabiler und intakter Wurzel) vollständig zusammengebrochen. Zum Glück nicht alle, aber ich hatte ohnehin von den fünf Erdbeersorten maximal je fünf Pflanzen bestellt. Die ersehnte Erdbeerenschwemme wird zwar in diesem Jahr vermutlich ausfallen, aber bei einigen Sorten bin ich für das nächste Jahr dennoch sehr optimistisch und vielleicht muss man sogar über eine alternative Anbaumethode nachdenken? Was die Resistenzen gegen Krankheiten anbelangt, gibts es durchaus schon viele gute Ansätze, aber bei so viel Regen, wie hier in diesem Jahr runter kommt, ist kaum ein (Erdbeer-) Kraut gewachsen. Gesund durchgehalten haben lediglich die Lubera-Sorten, die ich daher kurz vorstellen möchte:

Empfehlenswerte Erdbeersorten für Feuchtgebiete

Double Pleasures® hanging Pink Wonder®: Es handelt sich um eine immertragende Ziererdbeere, die ihren Namen bereits mit den dunkelrosafarbenen Blüten alle Ehre macht. Ich habe sie im Freiland, wie auch zum Test in einem Balkonkasten eingesetzt und wie auf den Bildern zu sehen ist, hat sich diese Sorte schnell und prächtig entwickelt. Inzwischen sind die ersten Früchte reif, wachsen bis zu einer mittleren Größe heran und haben ein ausgezeichnetes Aroma. Nach einigen Wochen hat sie bereits starke und reichlich tragende Ausläufer, sodass bei dieser Sorte durchaus mit einer reichen Ernte gerechnet werden darf.

Auch optisch eine sehr überzeugende Hänge- oder Klettererdbeere, die sich selbst als Bodendecker prima eignet. Ab Anfang Mai bilden sich die ersten reifen Früchte und Du hast bei dieser sehr aromatischen Sorte den gesamten Sommer hindurch leckeres Naschobst.

Hängeerdbeere Parfum Freejumper®: Normalerweise ebenfalls eine hängende Sorte, die ich allerdings bewusst als Bodendecker vorgesehen habe. Die Erdbeerpflanzen stehen in einem etwas erhöhten Rondell auf frischer Muttererde und voll sonnig. Leider auch total im Regen, was man ihnen jedoch nicht ansieht, denn sie haben von den massenhaften Niederschlägen keinen Schaden genommen. Im Gegenteil: Es wurden massenhaft Ranken angelegt, die teilweise um die 70 cm lang sind und nun beginnen, die Blätter und Blüten zu bilden. Und auch die ersten, noch grünen Früchte kommen so langsam zum Vorschein von einer Sorte, die Du das ganze Jahr über pflanzen kannst.

Freejumper ist eine etwas spätere Sorte (ab Anfang Juni erntereif) und hat mittelgroße Früchte. Nicht ganz so süß, dennoch der typisch aromatische Erdbeergeschmack, der durch das Parfümaroma der Pflanzen noch verstärkt wird.

Fragaria vesca var. vesca: Eine Walderdbeere, die auch mal im Halbschatten kann und zwar kleine, aber um so aromatischere Früchte liefert. Auch dieser Sorte haben die vielen Regengüsse nichts ausgemacht. Zwar sind einige Blätter im unteren Bereich etwas bräunlich geworden, aber werden sie rechtzeitig entfernt, geht das Pflanzenleben gleich munter weiter. Als ich die ersten Beeren genascht hatte, kamen in der Tat Erinnerungen aus meiner Schulzeit wieder hoch, die mich stark an die wild wachsenden Beeren im Wald erinnert haben, von daher eine absolut empfehlenswerte Sorte.

Eine Sorte, die überschüssige Feuchte im Boden ganz hervorragend wegsteckt. Die Früchte sind mittelsüß, etwas klein und haben den typischen Walderrdbeerengeschmack

Versuch und Irrtum gehören eben auch zur Gartenarbeit

Zwei weitere Sorten werde ich in den kommenden Tagen noch probieren und dann wird es zum Herbst hin wohl erstmals nach vielen Jahren wieder eine etwas größere Anpflanzung der bis dahin am besten bewährten Erdbeersorten für das nächste Gartenjahr geben. Es lohnt sich also durchaus, bezüglich der Erdbeerpflanzen ein wenig zu experimentieren und nicht gleich beim erstbesten und vielleicht besonders preiswerten Sonderangebot zuzuschlagen. Und eine letzte Bemerkung noch zum oberen Bild: Dass einige Pflanzen vorzeitig das Zeitliche gesegnet haben, liegt ganz gewiss nicht an der Sorte oder gar an der Züchtungsqualität der Baumschule, bei der die Pflanzen gekauft wurden. Aber bei einem übermässig schattigen Standort, an dem die Erde stets nass, wie ein Schwamm ist, muss eben auch mit dem einen oder anderen Ausfall gerechnet werden.

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